Masoala – ein kleines Paradies auf Erden

Wo sich Regenwald und Ozean treffen

Es ist 8.00 Uhr, und da es in Masoala keine Eile gibt, ist es schliesslich der beruhigende Klang des Meeres, und nicht der Wecker, der mich am Morgen weckt. Ich öffne meine Augen und drehe meinen Kopf ein wenig zur Seite. Immer noch gemütlich in meinem warmen Bett geniesse ich die schöne Aussicht auf das Meer, das nur 10 m von mir entfernt ist. Die Sonne ist schon ziemlich hoch, aber nach ein paar stressigen Wochen habe ich diesen Schlaf wirklich sehr gebraucht. Es ist mein erster Morgen in Masoala, und was für ein schöner noch dazu! Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein und wissend, dass sich direkt vor meinem Zelt ein herrlicher Strand erstreckt und direkt hinter mir ein grosser Regenwald liegt, beginne ich zu realisieren, dass ich wirklich in einem kleinen Paradies bin.

Auch mein Magen möchte einige Leckerbissen haben und ich begebe mich barfuss Richtung Frühstücksterrasse. Wie schön ist es Sand unter meinen Füssen zu spüren und den Ozean, der meine Knöchel umspült, während ich am Strand entlang laufe. Keine Schuhe mehr! Das Frühstücksdeck der Masoala Forest Lodge befindet sich auf den Felsen am Strand. Ich setze mich in die Sonne und lasse mein Gesicht von den morgendlichen Sonnenstrahlen streicheln. Während ich den köstlichen Obstsalat geniesse, beobachte ich die einheimischen Frauen im Pirogue (ein Traditionelles Kanu – Einbaum) auf dem Meer, welche gerade Fische fangen. Manchmal belohnt uns das Leben mit einigen schönen und unvergesslichen Momenten. Dieser gehört definitiv dazu.

Es ist 3.00 Uhr morgens und ich muss zum Flughafen, um meinen sehr frühen Flug von Tana nach Maroantsetra zu erreichen – mein Ausgangspunkt nach Masoala. Immer noch verstehe ich diese unmenschlichen Flugzeiten der Air Madagascar nicht, ich bemühe mich aber sehr meine Augen offen zu halten und die Begeisterung hilft mir meinen Wecker nicht abzuschalten und wieder im gemütlichen Bett des Royal Palissandre Hotels in Tana einzuschlafen.

Auf dem Maroantsetra Flughafen wartet Ursula auf mich. Sie ist eine lokale Führerin, die mir die Wunder von Masoala zeigen wird. Sie spricht überraschend gut Deutsch (darunter sogar einige Schweizer Wörter). Wir begeben uns auf den Weg zu dem Pier der Masoala Forest Lodge und dann geht es los in Richtung Lodge. Bevor wir aber nach Masoala gehen, will ich noch auf der kleinen Insel Nosy Mangabe anhalten deren Regenwald ein Schutzgebiet für das bedrohte Aye-Aye ist (eine Primatenart aus der Gruppe der Lemuren).

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Oh, wie schön es ist, den befahrenen Strassen, eilenden Menschen, dem Wecker und dem städtischen Chaos zu entfliehen und in die Welt der Ruhe und Entspannung einzutreten. Die kleine Insel habe ich praktisch für mich selbst. Eine wunderschöne Belohnung für den Besuch weit entfernter und schwer zugänglicher Orte. Von den Klängen des Regenwaldes kann ich gar nicht genug bekommen. Der wunderschöne Gesang der Vögel und das Quaken der Frösche, das Rascheln der Blätter in der sanften Brise, das ferne Brummen des Wasserfalls und ab und zu das Plätschern des Regens in den hohen Baumkronen in der Ferne, das seine baldige Ankunft ankündigt. Ich mag Regen im Regenwald – er bedeutet Leben und ist bekanntlich die Hauptquelle dieser zauberhaften Umgebung.

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Ich hatte zwar nicht das Glück den scheuen Aye-Aye zu sehen, da er nachtaktiv ist und Nachtwanderungen sind im Nationalpark verboten,  aber wir wurden von einigen bildhübschen Weisskopfmakis und anderen interessanten kleinen Wesen auf der Insel begrüsst. Ein Tier, das mich fast am meisten faszinierte, war ein Blattschwanzgecko (Uroplatus sikorae), der fast unsichtbar auf einem mit Flechten bedeckten Baum sass. Ich bin immernoch erstaunt, wie Ursula dieses unglaubliche, aber wirklich fast unsichtbare Tier sehen konnte.

Nach dem Picknick auf der Insel begeben wir uns endlich in Richtung Masoala Nationalpark. Für die nächsten vier Nächte wird die Masoala Forest Lodge mein Zuhause sein, zweifellos die beste Wahl auf der Halbinsel. Maria, Beyers und Melissa warten am Strand, um mich in ihrem kleinen Paradies willkommen zu heissen. Endlich bin ich dort angekommen, wo ich schon immer sein wollte.

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In der Masoala Forest Lodge zu sein ist ein Erlebnis für sich. Die Zelte, die sich unter einem aus Palmen-Blätter gemachten Dach auf einer 2,5 m hohen Holzplattform befinden, geben mir wieder das „Afrikagefühl“, das ich aus dem Busch kenne. Ich mag diese Zelte sehr,  man kann sie vorne und hinten öffnen, sodass man sich wirklich mit der Natur verbunden fühlt. Immer begleitet vom Rauschen des Meeres, geniesse ich die wohlige Atmosphäre und finde endlich die Ruhe, um in der Hängematte vor dem Zelt ein spannendes Buch zu lesen, oder mich einfach zu entspannen und den Blick auf das Meer zu geniessen.

Hier gibt es so viele Aktivitäten, dass ich traurig bin schon nach 4 Nächten wieder gehen zu müssen. Man kann den Regenwald erkunden und auch eine Nachtwanderung, in der Nähe der Lodge machen, mit einem Meeresführer schnorcheln oder Kanu fahren, mit dem Pirogue eine Fahrt auf dem Fluss machen, von Juli bis September Wale beobachten, ein lokales Dorf besuchen, auf einen ganztägigen Ausflug nach Kap Masoala gehen, oder sich einfach auf den wunderschönen, leeren Stränden entspannen.

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Da ich Tiere über alles liebe, habe ich so viel Zeit wie möglich im Regenwald verbracht. Zum ersten mal in meinem Leben habe ich Pflanzen wie Zimt, Nelken oder Anis gesehen. Das war eine interessante Erfahrung, da ich mich eigentlich nie zuvor gefragt habe, wie diese Gewürze eigentlich wachsen! Masoala beinhält für mich aber noch etwas viel lohnenderes als die wunderschönen Pflanzen. Plötzlich dreht sich Ursula um und fängt vor Aufregung an zu schreien: „Yes, yes Stela, wir haben es geschafft, da ist es, give me 5!! Yes, yes, wir haben es gefunden!!“ Ich habe nicht den leisesten Schimmer, was sie eigentlich gefunden hat und denke mir: „Ursula, hör auf so viel Lärm zu machen, weil was auch immer du da gefunden hast, es wird wegrennen noch bevor du es mir zeigen kannst!“. Und dann zeigte sie auf einen Ast, etwa 20 m hoch, auf welchem ein riesiges Chamäleon war. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Es war ein Parson’s Chamäleon, das grösste Chamäleon der Welt, das bis zum 68 cm lang sein kann! Man darf aber nicht denken, dass es aufgrund seiner Grösse einfach zu sehen ist. Er versteckt sich nämlich gerne hoch in den Bäumen und passt seine Farbe der Umgebung an.

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Am meinem letzten Tag in Masoala scheint der Regenwald ziemlich ruhig zu sein. Ich bin sehr glücklich über alles, was ich bis jetzt habe sehen dürfen und bin schon bereit mit erfüllten Erwartungen das letzte Mal langsam Richtung Lodge zu gehen, als Ursula ganz ganz leise hoch in die Bäume deutet und mir die Helmet Vanga (Euryceros prevostii) zeigt: Ein wunderschöner seltener Vogel, der nur in den tiefen Regenwäldern des nordöstlichen Madagaskars zu finden ist.

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Meine letzte Nacht in Masoala ist angebrochen, ich putze meine Zähne, krieche unter die Decke und denke an die wunderschönen Tage und die Schönheiten, die mir Masoala geboten hat, lausche dem beruhigenden Rauschen der Wellen, hoffend, dass ich bald wieder die Möglichkeit haben werde, zu diesem besonderen Fleckchen Erde zurück zu kehren.

One Response to “Masoala – ein kleines Paradies auf Erden”

  1. Maria

    Einer der einfuehlsamsten und persoenlichsten Berichte seit langem ueber Masoala! Man erlebt die Reise quasi mit. Danke Stela, dass du dein Erlebnis mit uns teilst! Wir werden unser Bestes geben, um jedem einzelnen Kunden von Zingg Safaris ein eben so unvergessliche Zeit zu ermoeglichen!

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